
Location Based Services (LBS) oder Standortbezogene Dienste – der Horror für Menschenrechte und Datenschutz?
Die Einführung von “Location Based Services” oder auf Deutsch “Standortbezogene Dienste” müsste eigentlich für Menschenrechte und Datenschützer ein Horror sein.
Standortbezogene Dienste sind Dienste, meist für mobile Geräte konzipiert, die z.B. auf dem Handy anzeigen wenn man sich in der Nähe von einem Schnellimbiss befindet oder sie bieten die Fahrplanauskunft an wenn man sich in der Nähe eines Bahnhofs aufhält. Wenn man sie nicht ausschaltet, dann öffnen sich immer wieder neue Nachrichten auf ihrem Handy, je nach dem wo sie gerade gehen oder fahren. Dazu muss auf dem Gerät eine Technik installiert sein, die den Standort des Gerätes ermittelt, zum Beispiel GPS.
Der Gedanke ist interessant und natürlich für Unternehmen die für sich oder andere werben wollen lukrativ. So können Unternehmen gezielt für den Verkauf vor Ort werben und gleichzeitig Verhaltensmuster ihrer Kunden mit Erfassung der Person verknüpfen. Die meisten Handys werden nur von ihrem Besitzer benutzt. So kann ein ganz spezifisches Personendiagramm erstellt werden, was wiederum für die Zusendung von Prospekten oder andere Werbebotschaften genutzt wird. Selbst im Fernsehen könnte dann Werbung in einer bestimmten Region ausgestrahlt werden, von der man weiss, das die Benutzer, die in dieser Region leben, bestimmte Interessen haben.
Aber diese Services haben auch eine Schattenseite. Natürlich werden die Daten die abgerufen werden in Log-Dateien auf den Servern erfasst. Dabei werden sicher auch IP-Adresse, Handy-Kennung und viel mehr von Ihrem Gerät und der Verbindung gespeichert. Stellen sie sich vor sie sind auf St.Pauli in Deutschland und ständig werden ihnen Links zu Webseiten von eindeutigen Angeboten angezeigt und sie klicken auf einen Link. Natürlich wird das auch erfasst. Über Ihre Telefonnummer oder den Vertrag lässt sich eine genaue Zuordnung zu ihrer Person vornehmen. Apple plant in einem seiner neuen iPhones sogar ein Bezahlsystem mit dem sie dann z.B. das Kino bezahlen können oder die Eisdiele oder den Schnellimbiss. Man weiss dann also womit sie bezahlen, denn die Kreditkarten müssen hinterlegt sein, und wie viel sie bereit sind für das einzelne Produkt auszugeben.
Für die Werbeindustrie sind diese Daten sehr wertvoll und Provider die sie erfassen, können sie sicher in Zukunft teuer an die Werbeindustrie verkaufen. Denn mit diesen Daten kann man fast lückenlose Kundenprofile erstellen. Wo bewegen sie sich, was kaufen sie, was interessiert sie, womit bezahlen sie, wie hoch darf der Preis sein, wen kennen sie und viele weitere Informationen können so von einer Person erfasst werden. Beim nächsten Einkauf im Supermarkt wird ihnen dann genau das vor die Nase gehalten was sie nach ihrem Profil interessieren könnte. Und noch viel mehr.
Aber nicht nur das, der Staat und seine Organe haben das Recht auf diese Daten zuzugreifen, natürlich nur im Falle einer “vermeintlich” kriminellen Tat, wenn ein Richter das genehmigt. Wir wissen alle, das auch Unschuldige in sogenannte Rasterfahndungen geraten können und schnell werden Verhalten von jemandem bekannt, die er lieber nicht in den Händen anderer gewusst hätte. Die Hürden diese Daten zu bekommen und zu nutzen sind kleiner und die Auswirkungen die jemanden treffen können sind viel grösser geworden. Ausserdem hat jemand der das alles weiss eine grundlegende Unsicherheit bei der Benutzung von elektronischen Geräten.
Die Diskussionen in Deutschland über StreetView von Google und dem Datenschutz für den einzelnen Menschen werden nicht umsonst geführt. Da wir heute leider weit verbreitet in einer Neidkultur leben und einer dem anderen seinen Erfolg neidet, ist es natürlich gefährlich geworden seine persönlichen Daten frei zugänglich zu lassen. Das geht ja schon damit los was jemand in seinem Blog im Internet schreibt. Schauen sie sich das Privathaus ihres Rechtsanwaltes mal an, lebt er gut von ihrem Honorar? Oder ist es das Haus seiner Mutter und es ist nur eine Täuschung? Sie sind einer kleinen Oberflächlichkeit aufgelegen und haben aber beim letzten Gespräch eine kleine unschöne Bemerkung darüber fallen gelassen? Wie wird das unser Leben beeinflussen? Erste Anzeichen im allgemeinen Verhalten sind klar und deutlich zu erkennen.
Zusätzlich wissen wir nicht ob andere Organisationen aus anderen Ländern Zugriff auf diese “Location Based Services” Daten haben. Wer sagt uns denn, dass nicht mancher Provider ganze CDs oder DVDs mit Bewegungsdaten an andere Länder verkauft, weil sie sich über die Verhaltensmuster in dem anderen Land informieren wollen. So wie es in den letzten Jahren mit vermeintlichen Steuersündern – CDs gemacht wird? Geheimdienste haben sicher auch schon Zugriff auf solche Systeme, vielleicht sogar ohne das es die Provider wissen und erstrecht nicht sie als Endverbraucher.
Ich finde, die Werbeindustrie ist es ihren Kunden aber auch den Endverbrauchern schuldig darüber zu informieren was alles erfasst wird, wo es benutzt wird und wie man es wieder löschen kann. Diese Transparenz und Leistung haben sie als Endverbraucher verdient. Wer “Location Based Services” haben will, soll auch die realen Kosten angeben. Dann bekommt die Datenerfassung von “Location Based Services” auch seinen tatsächlichen Preis. Die Kalkulation der Werbung über Location Based Services muss diese oben genannten Dinge mit abdecken und damit würde so mancher Dienst schon über den Preis unnütze. Und wir Endverbraucher würden gleichzeitig vor einem übertriebenen Machbarkeitsglauben geschützt.
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