
Gordian Hense
Die Natur zeigt es uns vor. Immer wiederkehrende, aber evolutionär veränderte Kreisläufe sorgen für stetige Entwicklung, die in Schüben vor sich geht. Es bleibt nichts was es ist.
Es gibt verschiedene Theorien wie der Verlauf der Wirtschaftsentwicklung verläuft und wie er sich in Zukunft entwickeln wird. Schon im 1800 Jahrhundert haben Wissenschaftler festgestellt, dass die Wirtschaft langfristigen Zyklen folgt. Diese Zyklen werden meist von technischen oder organisatorischen Entdeckungen oder Veränderungen eingeleitet. Ausserdem befruchtet ein Zyklus den nächsten und die Geschwindigkeit der aufeinander folgenden Zyklen nimmt zu.
Die Erfindung der Dampfmaschine, Eisenbahn und des Otto-Motors und damit dem Auto, hat den Zyklus der „Mobilität“ gestartet. Dieser zog einen enormen Aufschwung in Lebenswohlstand, Gesundheit und Flexibilität nach sich. Denn, es war ja nicht die direkte Auswirkung – mit einem Auto oder der Eisenbahn von A nach B fahren zu können – sondern alle davon abhängigen Dinge, die den Aufschwung und damit das bessere Leben bewirkte. Auf einmal konnten Waren zu günstigen Preisen von A nach B transportiert und den dortigen Kunden zu günstigeren Preisen angeboten werden. Der Austausch zwischen Forschungseinrichtungen wurde vereinfacht, da die Erkenntnisse schneller und leichter, zum Beispiel durch die Post, ausgetauscht werden konnten. Viele vergessen heute, das ein Grossteil ihres Lebens und ihrer Gewohnheiten von diesen Entwicklungen massgeblich abhängig sind.
Der Zyklus der „Mobilität“ leitete erst die Entwicklung der Elektrotechnik und Grosschemie ein. Moderne medizinische Entwicklung und Grosskraftwerke wurde dadurch erst möglich. Beides Dinge, die eine enorme Auswirkung auf die Menschheit hatten und immer noch haben. Ganz aktuelle merken wir das – bei den Diskussionen um Energie oder Demographie. Ein Arbeitsplatz ist wichtiger als je zuvor, jedoch ist er fast immer abhängig von der verfügbaren, kostengünstigen Energie. Lebenskosten wurde höher weil wir, wegen besserer medizinischer Versorgung und Hygiene (z.B. Kühlung), länger leben.
Der Zyklus der „Elektrotechnik“ machte den der „elektrischen Schaltkreise“ und damit den Bau von Computern möglich. Ohne Computer würde es keine Software geben, keine genaueren Abläufe, kaum Kosteneinsparung oder internationale Kommunikation.
Ein ganz wichtiger Zyklus, der mit der Erfindung der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn, also der „Mobilität“ zu vergleichen ist, ist der Zyklus der „Information“. Durch Computer und damit verbunden das Internet wurde eine allezeit abrufbare und weltweit verfügbare Informationsversorgung möglich. Diese hat Auswirkungen in die kleinste Lebenseinheit und damit eine umfassende Veränderung herbeigeführt. Die Transparenz über Produkte ist eine, aber durchaus ganz entscheidende. Preise und Produkte können auf einmal für jedermann rund um die Welt verglichen werden. Jeder mit etwas Phantasie, kann sich ausmalen welche starken Auswirkungen das auf verschiedene Bereiche des Lebens hat und haben wird. Nicht zuletzt das Ende des kalten Krieges oder die Öffnung des Ostblocks ist eine Auswirkung davon. Die schnelle und positive Entwicklung der ehemaligen Entwicklungsländer wäre nicht möglich. Die gegenseitige Befruchtung in Forschung und Wissenschaft potenziert die Ergebnisse.
Ein daraus sich ableitender Zyklus wird der des weltweiten Online Handels sein – „Online Shopping“. Er wird deshalb eine so grosse Auswirkung haben, weil er von Millionen Menschen mit Millionen Unternehmen direkt betrieben werden kann, ohne Hürden und zwischengeschaltete Stufen. Wir stehen ganz am Anfang dieses Prozesses. Behindert wird er noch durch Politik und alte Strukturen, physisch wie psychisch, aber der Zyklus ist nicht aufzuhalten. Was fehlt sind Online-Shopping-Lösungen für jedermann. eBay ist eine Möglichkeit für jeden weltweit zu handeln. Auch so mancher Kleinhändler benutzt es um keinen eigenen Online-Shop etablieren zu müssen. Einige wenige Händler wagen den Schritt und bauen eigene Shops auf. Und siehe da, sie haben enormen Erfolg damit. Oft, obwohl die Umgebungen noch vorsintflutlich sind, die Software noch in den Kinderschuhen steckt und sie auch von der Infrastruktur, z.B. Banken oder dem Transportwesen, Zoll oder Sonstigem, behindert werden. Die Benutzung ist noch nicht kundengerecht, die Bezahlsystem sind noch umständlich zu integrieren, das Marketing und dessen Möglichkeiten wird nicht verstanden. Kurz um, es gibt noch viel zu tun. Aber diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten und wird eine enorme Dynamik entwickeln, die von nichts und niemandem aufgehalten werden kann.
Was fehlt ist ein vernünftiges Online Shopping-System, ein Zugsystem, welches auch Laien ganz leicht verwenden können um ihre Ware oder Dienstleistung individuell, online anzubieten. Was liegt da näher als den grössten Marktführer im Online – Geschäft zu betrachten. Google. Wo bleibt das Google – Shopping? Mit all seinen Möglichkeiten und seiner guten weltweiten Infrastruktur könnte Google in „Null Komma Nichts“ ein Online Shopping System, weltweit, auf die Beine stellen, das von jedermann verwendet werden könnte. Selbst der kleinste Händler im afrikanischen Busch. Bezahlsysteme hat Google mit „Google Checkout“. Vermarktung mit „AdWords“. Kommunikation mit „Gmail“. „Google Base“ bietet eine Datenbank für Produkte. Der nächste Schritt wird mit Sicherheit „Google Store“ sein. Man kann es förmlich in der Luft riechen. Können Sie sich die Auswirkung vorstellen? Shop-Software-Hersteller, die jetzt auf einem hohen Ross sitzen, werden tief fallen. Unternehmen die sich nicht auf diese Konkurrenz einstellen, gehen pleite. Politiker die das verhindern wollen, werden nicht mehr gewählt. Ein solches System würde eine Unmenge an neuen Arbeitsplätzen und weltweitem Handel nach sich ziehen. Transportunternehmen würden aus dem Boden schiessen und sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Um nur wenige Beispiele zu nennen.
Wenn es Google nicht macht, macht es Microsoft oder Yahoo, oder Oracle, oder SAP. Auch bei diesen Unternehmen sind Vorbereitungen in genau diese Richtung zu erkennen.
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20.August 2009 um 12:35
Denke auch, dass Google Store kommen muss und vielleicht gar nicht so weit entfernt ist, wenn man sich mal das Caffeine Update speziell in Hinsicht auf die Google Shopping Suche ansieht. Ich habe dazu schon mal was geschrieben:
http://www.72dpiclub.de/blog/2009/08/12/caffeine-kills-google-produktsuche/
In Kurzform:
Durch Caffeine werden zwar nach wie vor News, Videos und Blogs in die normalen Google Ergebnisse eingespeist, nur die bisher stark vertretene Shopping Suche bleibt weg. Gleichzeitig bietet Google Base ausgewählten Händlern die Verknüpfung zu Adwords an. Diese Anzeichen wären schon mal ein paar wacklige Argumente einen baldigen Google Store vorauszusagen.
Gerade für kleine Firmen, wäre das der Durchbruch, denn aus eigener Berufserfahrung weiss ich, dass diese oftmals an zu teuren oder unfähigen billigen Shopsystemem scheitern
20.August 2009 um 12:48
Vielen Dank für den Kommentar.
Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass für die meisten klassischen Händler – Begriffe wie Caffeine, Google Base oder sogar AdWords eher Begriffe sind, die sie in den Bereich von Speisen, Flughafen oder Schreibmaschinen einordnen würden. 95 % aller Händler haben null Ahnung was da im Internet abgeht oder möglich ist. Wie gesagt, das fängt schon bei der Sprache an. Google müsste einen Online-Store zum selber aufsetzen, ähnlich den Blogs auf “Blogger”, möglich machen, die ein Front- und Backend haben, die auch ein Laie versteht und bedienen kann. So schwer kann das doch nicht sein. Artikel, Kategorien, Textfelder, Media-Upload, Preise, Checkout – fertig. Dabei käme es auch auf eine durchgängige Bedienung an, damit der Unternehmer X sich mit dem Unternehmer Y darüber austauschen kann. “Wie hast Du denn die grossen Bilder in Deinen Shop bekommen?”. Oder ähnlich.
20.August 2009 um 13:30
Ich denke man kann sagen, dass sich eine Google Store “wie geschnitten Brot” verkaufen würden. Noch als Zusatzinfo hier der Ausschnitt einer Mail, die es für Google Base Benutzer gab. Die Einbindung von Versandkosten ist ein weiterer Schritt (unabhängig von der erwähnten Gerichtsentscheidung), um das ganze dann auch in einem rechtssicheren Shop zu veröffentlichen:
Zitat Google Base E-Mail:
vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Google Produktsuche. Angesichts der am 16. Juli verkündeten Entscheidung des Bundesgerichtshofs über die Angabe von Versandkosten in Preissuchmaschinen, und um Käufern genauere Preisinformationen anzuzeigen, stellen wir jetzt das „Versand“-Attribut allen Händler zur Verfügung, die Produkte für Deutschland übermitteln. Das „Versand”-Attribut ermöglicht Ihnen, Versandwerte für Ihre Artikel in der Google Produktsuche anzugeben. Für weitere Informationen zur Formatierung des Versand-Attributes besuchen Sie bitte http://base.google.de/support/bin/answer.py?hl=de&answer=107800
20.August 2009 um 15:25
Das von Ihnen beschriebene Shopsystem gibt es bereits: Tradoria.
Online-Shopsoftware speziell für kleine Händler. Mietshopsystem, d.h. keine Installation etc., anmelden, Template auswählen, Produkte einspielen, fertig. Usability speziell für unerfahrene Nutzer. Wenn doch noch Fragen sind, gibt es einen kostenlosen Telefonsupport. Austauschen können sich die Händler (derzeit schon über 2100) im eigenen Forum.
Marketing über “Tradoria Connect!”, hier erfolgt per Klick eine Anbindung an alle gängigen Produkt- und Preissuchmaschinen (auch Google Produktsuche). Auswertbar auf einen Blick in einer einzigen Statistiktabelle.
Abwicklung aller Transaktionen und Payment zentral über “Tradoria Checkout”, inkl. Adressvalidierung, Payment über Vorkasse, Kreditkarte, ClickandBuy, Sofortüberweisung, Lastschrift und Cashticket (in Kürze), Übernahme des Zahlungsausfallrisikos, automatische Rechnungsgenerierung, …
Zudem noch die Synergien über die zentrale Shopping-Mall Tradoria.de, auf der man die Produkte aller Tradoria-Shops in einem Warenkorb kaufen kann.
Eben, wie oben beschrieben, “Online-Shopping-Lösungen für jedermann”.
Viele Grüße,
Tobias Kobier
22.August 2009 um 17:14
Hallo Herr Kobier
Vielen Dank für diese Information. Obwohl ich solche Systeme sehr begrüsse und auch viele andere Systeme kenne, die leicht zu installieren sind oder zu mieten. Der Effekt der entstehen würde, wenn Google so etwas auf die Beine stellen würde, wäre ein ganz anderer. Die Betreiber von Tradoria müssen oder müssten um ein Vielfaches mehr Werbung machen als Google um die gleiche Ausdehnung bzw. den Bekanntheitsgrad zu erreichen. Es wäre sogar für Tradoria ein Glücksfall, wenn Google ein Shop-System heraus geben würde, denn dann käme das Interesse dafür erst richtig in Schwung. Erst ab einer bestimmten Menge an Händlern, die auch “Online” verkaufen, entsteht ein zwanghafter Sog für alle anderen. Es muss auch hier die kritische Masse erst erreicht werden, um einen Selbstläufer daraus zu machen. Mir ist es eigentlich ganz egal wer das ist, es muss nur einer der ganz grossen sein, der das macht. Denn nur dann hätte man einen richtigen Zwang für alle anderen auch an solchen Systemen teil zu nehmen.