
Apple & Google gegen Microsoft?
Oder wird der Online-Markt jetzt richtig aufgemischt?
Der Suchmaschinenbetreiber “Google” bringt dieser Tage einen eigenen Browser auf den Markt, genannt “Chrom“. Er soll schneller und einfacher sein, als alle anderen für Windows vorhandenen Browser. Chrom gibt es derzeit nur für das Betriebssystem Windows und ist dort also ein Konkurrent zum Internet Explorer (Microsoft), Firefox (Mozilla), Safari (Apple) und Opera (Opera). Die Marktanteile gliedern sich in gleicher Reihenfolge.
Die Hintergründe zu diesem Schritt von Google und den Umständen sind weit interessanter.
Bekanntlich verdient Google den grössten Teil seines Geldes mit der Schaltung von Anzeigen im Internet über AdWords / AdSense. Geld bringen diese CPC Anzeigen für Google und den AdSense – Teilnehmer nur, wenn die Anzeigen angezeigt werden und User auf die Anzeigen klicken. Gerüchten zu folge wollte Microsoft in seinem nächsten Browser “IE 8″ die Möglichkeit mit einbauen, dass der Benutzer Anzeigen-Einblendungen ausschalten kann. Also einen Ad-Blocker. Mit dem natürlich auch “Google” – Anzeigen ausgeblendet werden könnten! Weiter wurde vermutet, dass dann aber in den “IE 8″ Anzeigen an anderer Stelle über das Werbenetzwerk von Microsoft “Microsoft Advertising” eingeblendet würden. Zum Beispiel in der Suchspalte oder der Startseite. Diese Massnahmen würden sozusagen Google bei 70-80 % der Internet-Nutzer ausblenden und Microsoft’s Anzeigen dafür ein. Ein grosser Teil des Umsatzes mit Anzeigen im Internet würde damit in die Taschen von Microsoft fliessen und nicht mehr in die von Google.
Der Schritt, einen eigenen Browser mit hohen Nutzervorteilen heraus zu bringen, ist im Zusammenhang mit dieser Überlegung für Google ein logischer Schritt. Durch die hohen Nutzervorteile wird sich der neue Browser schnell bei den Benutzern verbreiten und damit Microsoft die Chance schmälern Google Anzeigenkunden abzuwerben. Je kleiner der Marktanteil des IE 8 wird um so mehr kann Google Anzeigenfläche verkaufen. Deshalb ist grosse Eile geboten und Google musste einen schnellen, sauberen und professionellen Browser aus dem Hut zaubern, der die Nachteile des IE 7/8 in seine Vorteile umwandelt.
Aber hier kommen wir zu einem weiteren interessanten Aspekt. Wer sich den neuen Browser von Google etwas genauer ansieht, wird feststellen, dass es sich eigentlich um den Safari – Browser von Apple handelt. Nur in einem anderen Gewand. Denn der neue Browser ist auf den OpenSource Basispaketen WebKit und V8 aufgebaut. Das WebKit wurde von Apple entwickelt und bildet die Basis für den Safari-Browser. Apple gab diese Entwicklung unter OpenSource Lizenzen frei. V8 ist eine von Google selbst entwickelte JavaScript-Engine. Natürlich hat man also mit dem Safari-Browser genau den gleichen Effekt wie mit dem neuen Browser von Google. Nur der Marketingunterschied ist entscheidend. Google ist bei allen Betriebssystem – Nutzern anerkannt. Dann ist es auch leichter einen Google – Browser zu akzeptieren als einen von Apple. Es ist viel leichter einer Suchmaschine zu glauben, die man täglich nutzt, als einem nicht (so sehr) bekannten Computer-Unternehmen. Viele Computer-Nutzer sehen in Apple ja immer noch eine Firma die weit weg ist vom “harten-industrie-computer-alltag”.
Für Apple wird damit auch ein Problem gelöst. Nämlich, die “schwache” Verbreitung des Safari-Browsers. Obwohl der Safari zwar auf fast allen Mac’s verwendet wird, das sind derzeit ca. 6,2 % Marktanteil auf der Welt, ist er auf Windows – Computern noch nicht so weit verbreitet, wie erwünscht. Eine erwünschenswerte Verbreitungszahl wäre so gross, dass sich PlugIn- und Zusatzsoftware-Entwickler mehr für diese Engine interessieren und Software dafür schreiben. Mit zusätzlichen PlugIns würde sich der Browser selber auch mehr verbreiten und so weiter uns so fort. Apples Plan, die Software als OpenSource heraus zu geben, scheint damit auf zu gehen.
Ich frage mich, vor dem Hintergrund dieser Informationen, wie weit der Kampf um Online-Marketing im Internet fortgeschritten ist. Werden wir tatsächlich bald erleben, dass wir für das Surfen bezahlt werden? Oder welchen Browser wir benutzen? Welche Chancen, Lösungen oder Einschränkungen wird es durch diese Entwicklung geben, wenn sich Unternehmen wie Google und Microsoft jetzt schon um Werbeflächen im Netz auf diese Weise bekämpfen.
Interessanter Link zum Thema:
Robbie Bach: Apples timing was good




























